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Kulturlandschaft

Gesamtbetriebliche Biodiversitätsberatung

Das Land Baden-Württemberg will Landwirtsfamilien bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Offenhaltung der Kulturlandschaft durch das Angebot einer Gesamtbetrieblichen Biodiversitätsberatung unterstützen.

Ab 2015 werden allen landwirtschaftlichen Betrieben zu 100 % geförderte Beratungsmodule zur Gesamtbetrieblichen Biodiversitätsberatung nach dem Förderprogramm "Beratung landwirtschaftlicher Betriebe" im Rahmen des Maßnahmen- und Entwicklungsplans Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014-2020 (MEPL III) angeboten.

Im Zuge des von der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume (LEL) und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) betreuten Modellvorhabens „Gesamtbetriebliche Beratung zur biologischen Vielfalt der Kulturlandschaft“ (2010-2012) haben Beraterteams in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs Beratungen durchgeführt.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Praxiserfahrungen sind im Beratungsleitfaden für die Gesamtbetriebliche Biodiversitätsberatung zusammengefasst. In einer kombinierten ökologischen und ökonomischen Beratung werden für die Landwirtsfamilien entsprechend ihrer betriebsindividuellen Gegebenheiten

  • die Integration von Naturschutzmaßnahmen in den Betrieb geplant,
  • Betriebsstrukturen und Flächenmanagement angepasst,
  • Perspektiven für die betriebliche Zukunft erarbeitet,
  • Investitionen konzipiert,
  • Kooperationen vorbereitet,
  • die Inanspruchnahme von Fördermaßnahmen geprüft und optimiert.

Ziel dieser gesamtbetrieblichen Beratungsleistungen ist es, die Betriebe in die Lage zu versetzen, betriebswirtschaftlich rentabel

  • Landschaften mit einem hohen Naturschutz- und Erholungswert durch landwirtschaftliche Nutzung offen zu halten,
  • eine angepasste Nutzung zur Erhaltung von Natura 2000-Grünland und weiterem wertvollem Grünland fortzuführen oder wieder zu erlangen,
  • mehr Lebensräume für wildlebende Tier- und Pflanzenarten in der Feldflur zu schaffen, v.a. in Regionen intensiver Landbewirtschaftung.

Der Leitfaden (pdf Datei) und der ebenfalls im Rahmen des Modellvorhabens erarbeitete Maßnahmenkatalog Artenvielfalt (pdf Datei) richten sich an alle Beraterinnen und Berater, die in der Gesamtbetrieblichen Biodiversitätsberatung aktiv werden.

Maßnahmenkatalog Artenvielfalt

Im Maßnahmenkatalog Artenvielfalt werden Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen beschrieben und zur Anwendung vorgeschlagen. Sie sind grundsätzlich überall anwendbar und sollen die Artenvielfalt fördern.

Für naturschutzfachlich besonders schützenswerte Pflanzen und Tiere können ggfls. spezielle Maßnahmen erforderlich sein. Diese sind in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde zu gestalten und anzuwenden.

Artikel zum Modellvorhaben:
„Um etwas für Käfer und Rebhühner zu tun ...“ (Landinfo 4 - 2011) 
Etwas für Käfer und Rebhühner tun (B&B Agrar 5/2011)
Altes Erbe – Neue Wege (NaturschutzInfo 1/2011)
Naturschutzberatung landwirtschaftlicher Betriebe (NaturschutzInfo 1/2011)


Runder Tisch Artenvielfalt

Im Modellvorhaben entstand die Idee, unter dem Titel „Runder Tisch Artenvielfalt“ ein Gemarkungskonzept

  • auf freiwilliger Basis ohne Nutzungsentschädigungen
  • mit möglichst vielen Beteiligten bzw. Landnutzern einer Gemarkung
  • mit möglichst vielen und umgehend umzusetzenden Maßnahmen
  • mit möglichst geringen bürokratische Hürden

zu erarbeiten und zu erproben.

Die Unteren Landwirtschaftsbehörden des Hohenlohekreises und des Rhein-Neckar-Kreises führten das Projekt in ausgewählten Gemeinden ihrer Dienstbezirke durch. Dabei hat sich gezeigt, dass der Runde Tisch Artenvielfalt zu einem größeren Bewusstsein von Landwirten bezüglich Artenvielfalt und damit zu deren Erhaltung und Förderung beitragen kann.

Der Ansatz wurde in verschiedenen Artikeln beschrieben:
Runder Tisch - Gemeinsam aktiv für die Artenvielfalt (Landinfo 4 - 2013)   
Runder Tisch Artenvielfalt (B&B Agrar 5/2013)
Blühende Landschaften (BWagrar – 35 / 2013)


Fokus Naturtag

Eine weitere Konsequenz aus dem Modellvorhaben ist die Beteiligung beim Fokus Naturtag. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sind in die beschriebenen Beratungsmodule eingeflossen.


Hintergrund

Durch technische, wirtschaftliche, strukturelle und rechtliche Entwicklungen der letzten Jahrzehnte hat sich die Landwirtschaft stark verändert: Schlaggrößen haben zugenommen, die Fruchtfolgen sind enger. Gleichzeitig werden ertragsschwache und schwierig zu bewirtschaftende Flächen nicht mehr genutzt oder sind zu Wald geworden. Beide Entwicklungen, Intensivierung und Nutzungsaufgabe, bedrohen die Biodiversität - die Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Lebensräumen.
Die baden-württembergischen Agrarumweltmaßnahmen wie das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) als Nachfolgeprogramm für den Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich (MEKA) und die Landschaftspflegerichtlinie (LPR) setzen hier an und unterstützen die Erhaltung und die Entwicklung von biologischer Vielfalt in der Kulturlandschaft.
Darüber hinaus besteht Handlungsbedarf, um Bauernfamilien nicht mit der Frage allein zu lassen, wie sie die Artenvielfalt auf ihren Flächen fördern und gleichzeitig ihren Betrieb wettbewerbsfähig gestalten können. Hier soll die Gesamtbetriebliche Biodiversitätsberatung ansetzen. Ihr Ziel ist es, gemeinsam betriebsindividuelle und innovative Lösungen zu entwickeln und diese in einem betriebsindividuellen Maßnahmenplan der Landwirtsfamilie anschaulich darzulegen.

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